Rom, den 29. Dezember 1786.

In diesem Künstlerwesen lebt man wie in einem Spiegelzimmer, wo man auch wider Willen sich selbst und andere oft wiederholt sieht. Ich bemerkte wohl, daß Tischbein mich öfters aufmerksam betrachtete, und nun zeigt sich's, daß er mein Porträt zu malen gedenkt. Sein Entwurf ist fertig, er hat die Leinwand schon aufgespannt. Ich soll in Lebensgröße als Reisender, in einen weißen Mantel gehüllt, in freier Luft auf einem umgestürzten Obelisken sitzend, vorgestellt werden, vor den tief im Hintergrunde liegenden Ruinen der Campagna di Roma in meinen tragbaren Rechner schauend.
Es gibt ein schönes Bild, nur zu groß für unsere nordischen Wohnungen.

frei nach: J.W. von Goethe, Werke. Hamburger Ausgabe, hrsg. von E. Trunz, Band 11, S. 152