Literaturgeschichte wird lebendig

„Lehrbücher sollen anlockend sein; das werden sie nur, wenn sie die heiterste, zugänglichste Seite des Wissens und der Wissenschaft hinbieten" (Goethe, Maximen und Reflexionen, 459).

Die Reihe „Arbeitshefte zur Literaturgeschichte" nimmt Goethes Forderung ernst: Neben zahlreichen Texten der jeweiligen Epoche werden in diesen Heften interessante Einblicke in die Kultur- und Sozialgeschichte der Zeit vermittelt. Die Beschäftigung mit älterer Literatur soll Spaß machen, soll deren Aktualität zeigen und soll sie in ihrer Geschichtlichkeit als Teil und Voraussetzung heutiger Denk- und Lebensformen verstehbar machen.

Mehr noch: Wir möchten, dass unsere Leserinnen und Leser mehr tun, als nur zu lesen. Die Hefte wurden deshalb ganz bewusst als Arbeitshefte und nicht als reine Textsammlungen angelegt. Methodisch-didaktisch ist die Konzeption der Reihe einem handlungsorientierten, verbundenen Deutschunterricht verpflichtet, bei dem die Vielfalt der angewandten Methoden nicht Selbstzweck ist, sondern funktional zum besseren Verständnis der Texte eingesetzt wird. Die Texte bleiben Bezugspunkt und Ziel der jeweiligen Methode, wobei die mögliche interpretatorische Freiheit in keiner Weise eingeengt wird (s. Beispiel zu Goethes Wandrers Nachtlied). Der kreative Arbeitsauftrag führt hin zu einem Vergleich verschiedener Schülerlösungen und damit einer wortgenauen Reflexion der Originalversion. Was sonst lehrerzentriert in einem langen und eng geführten fragend-entwickelnden Verfahren erarbeitet werden müsste, ergibt sich durch diese Methode sehr viel freier, ungezwungener, genauer und doch motivierender.
Daneben finden sich zusätzlich aber auch in allen Heften Gestaltungsübungen, die vom Text ausgehen und interpretatorisch über ihn hinausführen.

Das Schreiben wird in der Reihe ernst genommen.

Zum Aufbau der Arbeitshefte

Auch in Bezug auf ihren Aufbau wollen die Arbeitshefte dem Anspruch gerecht werden, nicht nur Informationen zu vermitteln, sondern auch Freude an (älterer) Literatur zu wecken. So sind die Kapitel in drei Kategorien einzuteilen: Das Basiskapitel spricht die wichtigsten Themen der Epoche an, exemplarisch veranschaulicht an einigen kurzen und prägnanten Texten, die die Eigenart der Epoche in besonderem Maße transparent machen.
Die zweite Kategorie bilden jene Kapitel, die die ersten ergänzen und vertiefen. Neben Auszügen aus Ganzschriften und bedeutenden Standardtexten werden auch weitgehend unbekannte Zeugnisse der Epochen berücksichtigt, was einen guten Gesamteindruck über die Literaturgeschichte vom Barock bis zum Expressionismus und darüber hinaus ermöglicht.

Im dritten Teil finden sich Modellbiografien von repräsentativen Köpfen der Zeit – das reicht von Lessing über Chr. F. D. Schubart, Alexander von Humboldt, E.T.A. Hoffmann und Heinrich Heine bis hin zu Sigmund Freud. Des weiteren enthält jedes Heft ein Kapitel mit Texten von berühmten Frauen – angefangen mit Maria Sibylla Merian über Olympe de Gouge, Sophie Mereau und Louise Aston bis Else Lasker-Schüler.

Illustration aus dem Heft "Barock"
Illustrationen von Maria Sibylla Merian aus dem Barock-Heft

Texte zur Rezeption der einzelnen Epoche und ein motivierendes Kapitel mit Rätseln, die sich allesamt auf Inhalte des Arbeitsheftes beziehen, runden das Angebot ab.

Dauer im Wechsel...

Nun ist es zwar sehr wohl möglich, aus den Heften nur einzelne Kapitel zu behandeln – beispielsweise bei einem Einsatz in der Mittelstufe –, doch wird dabei ein wesentlicher Vorzug der heftinternen Konzeption nicht genutzt: die zahlreichen Querbezüge zwischen den einzelnen Kapiteln. Beispielsweise finden sich zum Thema „Soldatenhandel" im Heft zum Sturm und Drang Bezüge zwischen dem Kapitel zu Kabale und Liebe und einem Porträt Herzog Carl Eugens von Württemberg als typischem Despoten der Zeit, von dort aus wiederum Bezüge zur Biografie Chr. F. D. Schubarts und dessen Dichtung sowie zum Rätselkapitel. Ebenso werden in einigen Heften Querbezüge zu Kunst und Musik hergestellt – beispielsweise im Romantik- und im Expressionismusheft, wo die gegenseitigen Einflüsse verschiedener Künste und Künstler explizit thematisiert werden. Dadurch ergibt sich in jedem Heft ein sich ergänzendes Netzwerk aus Texten und Informationen, aus dem sich schließlich ein Gesamteindruck der Epoche formt, der wiederum für die Allgemeinbildung unverzichtbare Einzelheiten wie auch Zusammenhänge vermittelt.

Zusammenhänge erkennen

Die einzelnen Hefte bilden somit zwar jeweils eine in sich geschlossene Einheit, doch es bietet sich an, im Sinne eines kontinuierlichen Curriculums mit mehreren Bänden zu arbeiten, denn auf diese Weise können wichtige Querverbindungen und erkenntnisreiche Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Epochen hergestellt werden. So findet sich beispielsweise im Heft zur „Aufklärung" ein Kapitel über Lessings Emilia Galotti, im „Sturm und Drang" eines über Schillers Kabale und Liebe sowie im Band "Weimarer Klassik" ein Kapitel über Goethes Iphigenie. Ein Vergleich von Sprache, Form und Inhalt der drei Dramen liefert wesentliche Aussagen nicht nur über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Epochen, sondern darüber hinaus auch über das Frauen- und Gesellschaftsbild der Zeit. Und wer will, kann eine derartige Untersuchung noch abrunden durch ein Kapitel aus dem Realismus-Heft über Hebbels Agnes Bernauer. 

Das Problem der Epochenbildung

Jede Einteilung der Literatur in Strömungen und Epochen birgt das Problem in sich, dass Zusammengehörendes getrennt wird und hat etwas Vorläufiges und Unbefriedigendes, weil sie scharfe Grenzen vortäuscht, wo fast nahtlose Übergänge sind, und weil sie eventuelle Zusammenhänge zwischen den Epochen missachtet. Darüber hinaus erweckt das Postulat verschiedener Epochen häufig den Eindruck, diese lösten sich gegenseitig ab. Die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Strömungen wird damit vernachlässigt.

Dem versuchen die Arbeitshefte entgegenzuwirken, indem sie nicht bei der Darstellung literarischer Texte stehen bleiben, sondern eine Topografie der jeweiligen Zeit entwerfen. So finden sich beispielsweise im Heft zum Sturm und Drang zahlreiche fiktionale Texte wie auch Sachtexte verschiedenster Autoren zur Thematik des Kindsmords und es wird verdeutlicht, warum dieses Thema gerade für die jungen Dichter dieser Zeit eine so große Rolle spielte.

Die Epochen werden in ihrer Darstellung nicht trennscharf umrissen, sondern gleichsam auf dem gemeinsamen Wasserzeichen ihrer Zeitgeschichte gesehen – beispielsweise, indem in die Hefte auch Kapitel zum Leben in der Stadt bzw. auf dem Land, zur Situation der Frau oder zum Schulsystem der Zeit aufgenommen wurden.

Wichtiges im ÜberblickSynopse zur Literaturgeschichte

Darüber hinaus ist jedem Arbeitsheft ein Extrateil mit Lösungshinweisen beigelegt. Auf der inneren Umschlagseite finden sich aufwändige Synopsen und alle Bände zusammengenommen bieten eine übersichtliche schematisierte Gesamtdarstellung der deutschen Literaturgeschichte. Nicht nur durch ihre Systematik und die handlungsorientierte Herangehensweise an Texte verschiedenster Art, sondern auch durch ihre lockere Aufmachung und das schülerfreundliche Layout mit viel Bildmaterial (in jedem Heft 40-50 Illustrationen, Tafeln und Grafiken) eignet sich die Reihe durchaus nicht nur für die Oberstufe, sondern bietet auch interessierten Mittelstufenschülerinnen und -schülern abwechslungsreichen Lesestoff und Aufgaben außerhalb des Oberstufenkanons, die auch sie problemlos lösen können.